Die besonderen Merkmale der SINUS-Arbeit

Was unterscheidet SINUS von üblichen Fortbildungsveranstaltungen?

Es sind vor allem drei wichtige Unterschiede, die bei SINUS zusammenkommen:

  • Arbeit im Team,
  • Die Kontinuität der Arbeit,
  • Der Fokus auf dem Unterricht

Die Arbeit im Team

Viele Ansätze zur Weiterentwicklung des Unterrichts blieben wirkungslos, weil sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Fortbildungsveranstaltungen als Einzelkämpfer vorkommen. Interessierte können das Gelernte als Einzelne nicht oder nur sehr schwer an die Fachkollegien ihrer Schule weitergeben. SINUS legt deshalb großen Wert auf die Arbeit im Team. Die Teams bestehen zumeist aus 3 bis 6 Lehrkräften. Sie setzen sich aus  Fachkolleginnen und Kollegen einer Schule oder auch mehrerer Schulen in einer Region zusammen. Die Teambildung erfolgt nach fachlichem oder thematischen Bedarf bei den  Set-Treffen. So gibt es zum Beispiel Teams, die Themen wie „Wahrscheinlichkeitsrechnung“, „Mechanik in der Klasse 7“, „Stationslernen bei Katze und Hund“ oder „Wiederholung und Festigung durch Spiele im Chemieunterricht“ erarbeiten. Die Vorteile von Teamarbeit sind allgemein bekannt. Für die SINUS-Teams ergeben sich positive Auswirkungen vor allem durch die Arbeitsteilung bei der Vorbereitung einer Unterrichtseinheit, die  gegenseitige Unterstützung bei neu auftauchenden Fragen und die Motivationssteigerung durch das Erlebnis: Wir sind nicht allein.

 

Die Kontinuität der Arbeit

Eine wichtige Erfahrung aus der SINUS-Arbeit ist, dass nachhaltige Einstellungs- und Verhaltensänderungen Zeit  benötigen, nach unseren Beobachtungen mindestens 2 bis 3 Jahre. Die am Programm mitarbeitenden Kolleginnen und Kollegen sollen nicht nur wesentliche Erkenntnisse gewinnen, sondern diese in unterrichtliches Handeln umsetzen. Dieser Prozess ist nicht einfach, denn die Kollegen sind  in der Regel erfahrene und versierte Fachleute, die ihre Methoden und Vorgehensweisen in der Praxis – oft viele Jahre langerprobt und verfeinert haben. Ein Veränderungsbedarf ist deshalb für manche Kollegen  nur schwer zu akzeptieren, denn er setzt verständlicherweise auch Befürchtungen frei. Umso wichtiger ist es folglich, Möglichkeiten veränderten Lehrerhandelns kennen zu lernen, sich darüber auszutauschen und schließlich neue Wege auszuprobieren. Die dabei gewonnenen Erfahrungen,  positive wie negative, müssen wiederum gründlich überdacht und besprochen werden. Hierbei helfen zum einen das Team, zum anderen ein ausreichend bemessener Zeitrahmen. Um die Kontinuität der Arbeit zu gewährleisten, treffen sich die Teams in ihrem Set in etwa 6 - 8 -wöchigem Rhythmus  - mindestens 3 x pro Halbjahr - und entwickeln gemeinsam Aufgaben und  Ideen im Sinne eines  modernen, alltagsnahen, schüleraktivierenden, problemlösungsorientierten Unterrichts. Auf den Folgetreffen werden die Erfahrungen mit den inzwischen erprobten Unterrichtsmaterialien ausgetauscht, kritisch reflektiert, eventuell Veränderungen vorgenommen, sowie neue Themen erarbeitet. Darüber hinaus finden zwei Tagungen  pro Jahr statt, im Frühjahr  eine landesweite Tagung und im Herbst Set-bezogene Tagungen.  

Der Fokus auf dem Unterricht

Einer der Erfolgsfaktoren von SINUS ist die Konzentration auf Mathematik und die naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächer. Hier erleben sich die bei SINUS beteiligten Lehrkräfte als Experten, die im Kerngeschäft von Schule,  dem Unterricht, ihre eigentlichen Kompetenzen haben. Da die neuen Aufgaben, Unterrichtsmethoden und -einheiten sehr konkret sind und zumeist bald eingesetzt werden, kann  die Weiterentwicklung des Unterrichts zügig beginnen. Es ist nicht erforderlich, erst die Schulkonferenz zu überzeugen oder – wie bei Schulentwicklungsprogrammen üblich – das gesamte Kollegium sowie die Schüler- und Elternschaft ins Boot zu holen. Selbstverständlich ist eine breite Basis für jede Veränderung von Vorteil. Sie wird auch in den SINUS-Schulen  angestrebt, aber für die Veränderung des individuellen Unterricht einer SINUS-Lehrkraft ist sie keine notwendige Voraussetzung. Da es sich bei SINUS nicht um eine Revolution des Unterrichtsgeschehens, sondern um eine Weiterentwicklung der guten Ansätze handelt, ist ein „Einstieg“ jederzeit und ohne grundsätzliche Vorbereitung möglich. Davon ausgehend, dass  die Arbeit der Lehrkräfte ohnehin großen Teils sinnvoll und zielführend ist, bedarf es häufig zunächst nur kleiner Veränderungen, die indes für den Unterricht weitreichende  Auswirkungen haben können.  

Wie überall gilt auch bei SINUS: Der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Es ist weder möglich und noch nötig, alles auf einmal zu ändern. Die meisten neu hinzu kommenden Kolleginnen und Kollegen beginnen deshalb mit der Übernahme von Ideen der schon länger bei SINUS beteiligten Lehrkräfte. Dabei macht aber jeder die Erfahrung, dass eine 1:1 Kopie nicht wirksam ist - guter Unterricht lässt sich nicht klonen. Die Anpassung an die jeweilige, spezifische Situation erfolgt dann sukzessive. Da man sich nicht ganz allein am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann, werden zu den SINUS-Tagungen und auch zu einzelnen Set-Treffen namhafte Fachleute der Fachdidaktiken Mathematik und den Naturwissenschaften aus der ganzen Bundesrepublik eingeladen. Das SINUS-Programm hat einige dieser Fachleute von Anfang an der Arbeit beteiligt, andere haben sich durch die SINUS-Beteiligung qualifizieren können. Eine Reihe von Veröffentlichungen bildet die Arbeit ab.      

SINUS und die Bildungsstandards

Die Einführung der Bildungsstandards für Mathematik im Dezember 2003 und für die Naturwissenschaften Ende 2004 setzte in vielen Kollegien ein allmähliches Umdenken in Gang. Die Bildungsstandards können nämlich nicht allein durch die Verbesserung des Unterrichts  einzelner, engagierter Lehrkräfte erreicht werden. Die gesamte Fachschaft ist aufgefordert, das Erreichen der Bildungsstandards durch gemeinsames, abgestimmtes Handeln sicher zu stellen. Die Grundideen von SINUS einerseits und die Absichten der Bildungsstandards andererseits ergänzen einander vorzüglich. So unterstützt SINUS etwa die Kollegien durch sein breites Angebot an modernen, standard-orientierten Aufgaben und Arbeitsweisen und weist durch die vorherrschende  Arbeit in Teams den Weg  für  die Art der Kooperation, die in den Fachkollegien künftig zielführend sein wird. Zudem war in den letzten beiden Jahren die Auseinandersetzung mit den Bildungsstandards ein wichtiger Schwerpunkt auf allen SINUS-Tagungen. Dabei ist die inhaltliche Nähe der Bildungsstandards zu den Zielen des SINUS-Programms  kein Zufall: In den Kommissionen zur Erarbeitung der Standards saßen zahlreiche Fachleute und Lehrkräfte aus der SINUS-Arbeit. Einige erfahrene SINUS-Kollegen sind derzeit als Fachleute bei der Implementation der Bildungsstandards im Lande unmittelbar beteiligt. So verwundert es nicht, dass die Umsetzung der Bildungsstandards in Mathematik und den Naturwissenschaften durch das SINUS-Programm mit voran getrieben, wie umgekehrt  die weitere Verbreitung der Ideen und  Ziele des SINUS-Programms durch die Bildungsstandards befördert wird.  

Die Module von SINUS

Das SINUS-Programm wurde 1997 „erfunden“, nachdem die TIMS-Studie (Third international Mathematics and Science-Studie) im internationalen Vergleich nur mittelmäßige Ergebnisse für 15jährige Schülerinnen und Schüler in den getesteten Fächern ergab.  Das Design des SINUS-Programm sah keine grundsätzlichen Veränderungen im Unterricht oder gar in der Schule vor, sondern enthielt eine Reihe von Modulen, die  als eine Art Werkzeugkoffer zu verstehen sind, mit denen an den wesentlichen Problemfeldern des mathematischen und des naturwissenschaftlichen Unterrichts gearbeitet werden kann. Insgesamt wurden 11 Module formuliert, die neben der ausführlichen Problemanalyse Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Das bundesweit am meisten verwendete Modul ist das erste, es heißt „Weiterentwicklung der Aufgabenkultur“. Auch die Schulen in Schleswig-Holstein haben sich mehrheitlich an dieser Stelle an die Arbeit gemacht und die Aufgaben im Unterricht in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen gestellt: Welche Funktion haben sie, welche Folgen lösen sie aus, wie wirkt sich eine Veränderung an diese Stelle auf den Unterricht aus? Inzwischen sind auch andere Module auf ein breiteres Interesse gestoßen. So ist das Modul 4 „Sicherung des Basiswissens“ vor allem in den Haupt- und Realschulen vielfach bearbeitet worden. Es zeigt sich, dass eine sinnvolle Arbeit nur möglich ist, wenn das Gelernte immer wieder – mit abwechslungsreichen Methoden, aber konsequent – gefestigt wird. Wichtige Impulse liefert auch die Arbeit mit dem Modul 2 „Naturwissenschafltiche Arbeitsweisen“, da es das naturwissenschaftliche Experiment in den Mittelpunkt der Bearbeitung stellt.  

Evaluation

Das umständliche und immer noch etwas kryptische Wort hat bei vielen Lehrkräften  einen anrüchigen Klang. Es tönt nach Kontrolle. Ansprechender ist vermutlich  die Formulierung des schwedischen Vorreiters der dortigen Schulreform, Mats Ekholm: „Wir sprechen von Auswertung. Wer sich auf den Weg macht, möchte hin und wieder klären, wie weit er ist, ob er noch auf dem richtigen Weg ist oder zumindest auf dem, den er sich vorgenommen hat.“
Die Evaluation der SINUS-Arbeit erfolgt auf zwei Ebenen: eine summative Evaluation und eine formative, begleitende, die mehr auf die Einzelaspekte abzielt.
Die summative Evaluation erfolgt über die PISA-Tests. Die erste Untersuchung im Rahmen der PISA 2000-Studie legte die Ausgangslinie für die 2003 und 2006 erfolgten Testungen, wobei 2003 der Schwerpunkt auf der Mathematik und 2006 auf den Naturwissenschaften liegt. Ob die 2003 gemessenen Fortschritte bei den Ergebnissen in Mathematik und  Problemlösefähigkeit eventuell bereits auch auf SINUS zurückgehen, ist ungewiss, da die Veröffentlichung der Ergebnisse von 2000 im Herbst 2001 nur eine kurze Frist bis zur nächsten Testung ließen. Die Zeitspanne, in der neue Maßnahmen eingeführt wurden, dürfte nicht ausgereicht haben, um Erfolgen nachweislich darauf zurück zu führen. Die Untersuchung der einzelnen Aktivitäten erfordert detailliertere Verfahren. So werden regelmäßig bei den bei SINUS beteiligten Lehrkräften und Schulleitungen so genannten Akzeptanzbefragungen durchgeführt. Hin und wieder werden auch Schüler und Eltern befragt. Darüber hinaus wird die Entwicklung der SINUS-Arbeit in den Fachkollegien durch Sammelmappen, die Portfolios, dokumentiert und für eine wissenschaftliche Auswertung zur Verfügung gestellt.

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